„Berlin ist für mich ... ”

04.08.2014

Christine Boock
„ ... die ganze Welt in einem Mikrokosmos, in dem man spazieren gehen kann. ” twitter

Christine Boock,
Konzept und Regie von Imagefilmen für Berliner Unternehmen, Fuegofilm, seit 2002 in Berlin

Mein Unternehmen ist in Berlin tätig, weil ich mich hier von Anfang an zuhause gefühlt habe.

Berlin, the place to be:
Offenheit für alle. Für jeden das richtige Essen. Menschen, so viel man möchte. Ehrlicher Dreck und verschrobene Hipness, billiger Reichtum und einfache Eleganz. Leben, Entwicklung, Abenteuer und Geschichten. Nur das Geld, das ziert sich an manchen Ecken ein wenig. Heftet sich an falsche Fersen und macht sich bitter rar. Aber wo sonst kann man nicht allein, doch einsam, unbekannt und doch sich nah sein? Berlin inspiriert. Berlin lebt.

Wie wurde Ihr Unternehmen/Ihre wissenschaftliche Einrichtung von der Teilung der Stadt bzw. dem Fall der Mauer am 09. November 1989 geprägt?
Berlin schrieb Geschichte und ich durfte dies als junger Mensch mit ungezügelten kreativen Träumen miterleben. Die ersten Super-Acht-Filme habe ich im von Mauer umgebenen Kreuzberg gedreht. Eine Oase für werdende Künstler auf der Suche…
Das Filmstudium in Paris gab den Blick von außen frei auf das zerrissene Verhältnis unserer Generation zu ihrem Land. Ihrer Stadt. Der immer noch zerrissenen Stadt. Für Berliner Unternehmen filme ich in Ost und West. Verbinde, was die Menschen verbindet. Es gibt mehr Verbindendes als Trennendes. Wenn man zuhören und wahrnehmen kann. Aber es gehört Respekt dazu, die Verschiedenartigkeit der Erfahrungen nicht abzuwerten. Einen großen Blick, auf kleine Geschichten zu richten. Das hat mich diese Stadt gelehrt.

Wie sieht die Zukunftsvision für Ihr Unternehmen oder Ihrer wissenschaftlichen Einrichtung aus? Welche visionären Veränderungen stehen bis 2030 an?
Als Produzentin und Realisatorin von Imagefilmen für Berliner Unternehmen, Institutionen oder Projekte setze ich die Werbebotschaft mit dem Anspruch größtmöglicher Authentizität um. Meine Vision für mich und mein Unternehmen ist es,  dazu beizutragen eine Ethik für die Werbekommunikation mit Film zu etablieren, die Standards setzen kann. Das Unternehmen soll wachsen und Ausbildungs- und Arbeitsplätze schaffen, die kreative Selbstverwirklichung im Medienbereich mit Persönlichkeitsentwicklung verbinden. Die Medienschaffenden werden zu Botschaftern wertschätzender Kommunikation in Wirtschaft und Marketing in Berlin.

Erzählen Sie uns eine Anekdote aus Ihrer Erfolgsgeschichte, wie sie nur in Berlin hat stattfinden können.
Beim Friseur am Chamissoplatz 1991: Zurückgekehrt nach dem Filmschnitt-Studium in Paris. In Berlin war es um diese Zeit schwierig, einen Job als Schnittassistentin zu finden, gut ausgebildete Filmcutter aus dem Osten gab es zuhauf. Aber das konnte der Friseur nicht wissen und es konnte ihm ja auch ziemlich egal sein.
Allerdings konnte ich meine EC-Karte nicht finden, um den Haarschnitt zu bezahlen. Und das war ihm natürlich nicht egal. "Naja, Du kannst ja ein bisschen hier schneiden", meinte er also lakonisch. "Ja, gerne, mache ich sofort!", entgegnete ich gekonnt schlagfertig, "wenn es Filme sind und keine Haare!"
Und damit hatte ich einen Volltreffer gelandet.
Die Freundin vom Friseur.
Die arbeitete nämlich in einer neuen, teuren Firma in Mitte, die mit der zu dieser Zeit modernsten Videotechnik ausgestattet war, die es gab. Bedienen konnten das die ganzen super ausgebildeten Filmcutter aus dem Osten nicht! Ich allerdings auch nicht, aber das habe ich nicht verraten. Und als es dann jemand gemerkt hat, saß ich schon am Projekt und schlug mich so gut durch, dass man mich doch behalten hat… Meinen ersten Imagefilm schnitt ich auf Video. Es sollten noch viele andere Filme folgen, unter anderem einige Berliner Tatorte. Natürlich nicht mehr auf Video... Aber den Friseur und den Beginn meiner Karriere durch die Option, meine Rechnung mit (Haare) -schneiden abzuarbeiten, habe ich nie vergessen...

fuegofilm.de

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