„Berlin ist für mich ... ”

30.07.2014

Linda Vahldieck
„ ... offen, spielfreudig, experimentell, neugierig, humorvoll, staunend.” twitter

Linda Vahldieck,
Vorstandsmitglied, LUCKY TRIMMER e.V., Tanz- und Performance-Festival, seit 2003 in Berlin

Mein Unternehmen ist in Berlin tätig, weil unser Projekt in Berlin entstanden ist und nach wie vor die perfekte Bühne für unser Konzept ist.

Berlin, the place to be:
Der LUCKY TRIMMER e.V., www.luckytrimmer.com, ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung des zeitgenössischen Tanzes. Zweimal im Jahr organisieren wir die LUCKY TRIMMER Tanz Performance Serie – eine Berliner Plattform sowohl für junge als auch etablierte Choreographen und Performance-Künstler. Hier werden 8-10 Stücke von höchstens 10 Minuten Länge präsentiert, die breit gefächerte Einblicke in die aktuelle Tanzszene bieten. Die Künstler ermutigen wir, zu experimentieren, in Frage zu stellen, Risiken einzugehen und vor allem: zu tanzen.

Berlin zieht nationale und internationale Kunstschaffende an. Dies ist die ideale Voraussetzung dafür, Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform zu bieten, Produzenten auf sie aufmerksam zu machen, und ihnen eine Möglichkeit zu geben, sich untereinander zu vernetzen. Zudem hat Berlin ein Publikum, das Lust auf Neues und Erfrischendes hat und sich von den LUCKY-Impulsen inspirieren lässt.

Wie wurde Ihr Unternehmen/Ihre wissenschaftliche Einrichtung von der Teilung der Stadt bzw. dem Fall der Mauer am 09. November 1989 geprägt?
2003 riefen Clint Lutes, Mimi Messner und Dr. Uwe Kästner die LUCKY TRIMMER Tanz Performance Serie ins Leben, die im Februar 2004 im Tacheles Premiere feierte. 2002 kam Clint als graduierter Tänzer von der New York University Tisch School of the Arts nach Berlin. Mimi - Tänzerin, Choregraphin und Comedian -  zog 1995 aus Freiburg im Breisgau hierher und Uwe wuchs in der ehemaligen DDR auf. Nur durch den Mauerfall konnten die drei Gründer überhaupt zueinander finden und ihre Idee auf die verschiedensten Bühnen im zusammenwachsenden Berlin bringen.

Wie sieht die Zukunftsvision für Ihr Unternehmen oder Ihrer wissenschaftlichen Einrichtung aus? Welche visionären Veränderungen stehen bis 2030 an?
2014 ist ein ganz besonderes Jahr für Berlin: LUCKY TRIMMER feiert sein 10-jähriges Jubiläum und der Fall der Berliner Mauer jährt sich zum 25. Mal! Diese beiden herausragenden historischen Ereignisse sind Anlass für das LUCKY TRIMMER Special "THE WALL".
Das 10jährige Jubiläum haben wir auch genutzt, um unsere internationalen Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. Im Jahr 2030 möchten wir darauf zurückblicken können, dass LUCKY TRIMMER auf allen Kontinenten bekannt ist und auch nachgeahmt wird. Konzeptionell möchten wir während unseres Festivals Expertengespräche, Publikumsgespräche und Tanz-Workshops für Profis und Amateure anbieten und so den Austausch zwischen allen Beteiligten fördern. Organisatorisch haben wir die Vision, dass wir strategische Partner finden, die finanzielle Sicherheit geben, so dass wir den Künstlerinnen und Künstlern mehr als den eher symbolischen Produktionszuschuss von 500€ pro Stück zahlen, sowie Anreise und Unterkunft anbieten können. Wir träumen zudem von einem LUCKY TRIMMER-Büro, das zumindest für eine Person ganzjährig einen bezahlten Arbeitsplatz stellt, die von dort aus die nationalen und internationalen Anfragen beantwortet, die ehrenamtlichen MitarbeiterInen betreut und die nächsten Shows vorbereitet.

Erzählen Sie uns eine Anekdote aus Ihrer Erfolgsgeschichte, wie sie nur in Berlin hat stattfinden können.
In Berlin ist alles möglich!
Im Februar 2004 startete LUCKY TRIMMER mit insgesamt vier Shows an zwei Abenden. Mit Herzklopfen erwarteten Mimi, Clint und Uwe die erste Show. Als nur 20 Zuschauerinnen und Zuschauer kamen, waren sie sich ihres finanziellen Ruins sicher. Sie hätten eine Location mit geringeren finanziellen Risiken wählen können, aber das Tacheles war ein neutraler Boden für das Publikum und die Choreographen jenseits der üblichen Tanzszene in Berlin. Zwar faszinierte der Goldene Saal im Tacheles mit seinen Wänden voll von Mörtel und Kabeln schon einmal in den 90er Jahren viele aufstrebende Choreographen. Im Laufe der kommenden Jahre kam das Haus jedoch leider mehr und mehr herunter und war nicht mehr so reizvoll als Spielstätte für die Berliner Tanz- und Performanceszene. Trotzdem hoffte LUCKY TRIMMER Anfang 2004, die Atmosphäre, die 10 Jahre zuvor das Publikum schon mal begeistert hatte, wieder herstellen zu können. Und tatsächlich: Die erste Show endete und die 20 Zuschauer klatschten wahnsinnigen Beifall. Acht unterschiedliche Tanzstücke, alle maximal 10 Minuten, professionell organisiert, hinterließen große Begeisterung bei ihnen. Dann öffneten Mimi, Clint und Uwe die Türen für die zweite Show und waren in einem Durcheinander der Gefühle von Angst, Panik und schließlich Freude. Was sie sahen, konnten sie kaum glauben! Die Schlange für die zweite Show ging über drei Etagen! Erst mit gerunzelter Stirn und dann mit lachenden Gesichtern kamen sie über den ersten Schrecken hinweg. Ihre harte Arbeit für die Vorbereitung des ersten Festivals nahm an diesem Abend Form an und der Erfolg gab ihnen eine unglaubliche Energie. Plötzlich war alles möglich!

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