„Berlin ist für mich ... ”

31.07.2014

Monika Dorniak
„ ... eine überdimensionale Interpretation einer Chaostheorie.” twitter

Monika Dorniak,
Künstlerin und Kuratorin, We convert our Mind to Creativity, seit 2013 in Berlin

Mein Unternehmen ist in Berlin tätig, weil ich mich für die vielfältigen Gedankennetzwerke der kreativen und denkenden Akteure der Stadt interessiere.

Berlin, the place to be:
Die existierende Anordnung von Chaos und Regeln in Berlin sind täglich für mich eine Kontradiktion. Damit meine ich nicht unbedingt die visiblen Abläufe, sondern Emotionen der Bewohner. Wie in jeder Stadt existiert eine Anballung von unterschiedlichen Akteuren, aber besonders in Berlin ist die Geschichte noch frischer und es wird aktiver daran gearbeitet, Dinge zu verbessern. Ob in Politik, Design, Kunst, Wissenschaft - überall werden in künstlerischen und wissenschaftlichen Laboren Ideen gezüchtet, die auch teilweise Fehl-entwicklungen sein dürfen. Durch die Lebensbedingungen in der Stadt wird man nicht gleich untergehen, wenn die Idee nicht der unbedingten "Wunschvorstellung" entspricht. Es entstehen daraus vielerlei faszinierende Hybride.

Wie wurde Ihr Unternehmen/Ihre wissenschaftliche Einrichtung von der Teilung der Stadt bzw. dem Fall der Mauer am 09. November 1989 geprägt?
Mein Projekt wurde indirekt von dem Wandel geprägt. Als Jahrgang 1988 wurde ich von dem Fühlen und Denken meiner Umgebung beeinflusst, bzw. inspiriert. Mein polnischer Vater war politisch sehr aktiv und aus Erzählungen meiner Mutter habe ich erfahren, dass er stets versuchte, durch kleine politische Aktionen den Kontakt zu beiden Seiten von Berlin zu halten, auch wenn es mitunter gefährlich war. Der damalige Aktivismus meines Vaters ist ein Motivationsmotor für mein heutiges Handeln, und daher werde ich manchmal als nostalgisch betrachtet. Jedoch ist es für mich wichtig die Vergangenheit nicht nur als theoretisch-historisches Konstrukt zu erinnern, sondern die positiven Seiten dessen aktiv zu "verwenden" und  zu "verwandeln".

Wie sieht die Zukunftsvision für Ihr Unternehmen oder Ihrer wissenschaftlichen Einrichtung aus? Welche visionären Veränderungen stehen bis 2030 an?
Da mein Netzwerk/Kollektiv noch sehr frisch ist, und es sich gerade erst im Stand des Aufbauens befindet, kann ich nur vage prognostizieren: Ich wünsche mir bis 2030 mehr Offenheit von u.a. den Seiten der Kunst und Wissenschaft miteinander zu kollaborieren. Und gleichzeitig mehr Unterstützung von der Stadt Berlin, solche jungen und fachübergreifenden/interdisziplinären Ideen mit einer profunden Verankerung zu fördern. Visionär sollte sich ein starkes, verstricktes Netzwerk entwickeln, welches Akteure aus allen Fachbereichen durch ähnliche Motivationen vereint, und nicht nur durch akademische Ordnungen unterteilt. Zwar ist die visuelle Grenze zwischen Berlin gefallen – jedoch befindet sich die traumatische Trennung immer noch in dem Gefühl der Stadt und das hat einen starken Einfluß auf das Miteinander. Mit Hilfe von interdisziplinären Projekten könnte bis 2030 weiter an Themen von Migration, Gender-Forschung und sozialer Benachteiligung gearbeitet werden.

Erzählen Sie uns eine Anekdote aus Ihrer Erfolgsgeschichte, wie sie nur in Berlin hat stattfinden können.
Als das erste Projekt des Kollektivs 2013 in Berlin stattfand, hatten wir keinerlei Location und keinerlei Gelder zur Verfügung. Durch die sozialen Plattformen, wie art-connect, die sich hier in Berlin etabliert haben, konnte ich innerhalb kurzer Zeit sehr interessante Menschen zusammen bringen, die alle hochmotiviert waren, ein Projekt auf die Beine zu stellen – ohne Bezahlung und ohne Aussicht auf Vergütung. Das waren Menschen aus allen möglichen Ländern, und Fachbereichen. Innerhalb von 3 Monaten haben wir ein kleines Festival in einem Team entwickelt, eine Location gefunden und die finanziellen Mittel aufbringen können. Ich denke, dass solche Projekte in Städten wie London immer von der Industrie unterstützt werden müssen, um realisiert werden zu können – wobei es in Berlin noch möglich ist, auf kulturelle Unterstützer zurück zu greifen. Berlin besitzt noch eine naive Neugierde auf neue Projekte.

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