Top 25

25 Jahre Mauerfall - Berliner Unternehmer schreiben Geschichte

In der Euphorie des Mauerfalls sind nicht nur politische und soziale Veränderungen entstanden, sondern es haben sich auch neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnet. Verfolgen sie vom 16.10. bis 9.11. den Mauerfall Countdown mit 25 authentischen Geschichten von Berliner Unternehmen, die den Mauerfall hautnah erlebt haben. Unsere Redaktion hat aus über 180 Einsendungen die 25 spannendsten und inspirierendsten Geschichten ausgesucht, die nun hier Tag für Tag enthüllt werden.

  • Ein gelernter Filmkaufmann aus Westdeutschland vermarktet das Erbe der DEFA, der Filmgesellschaft der DDR. Diese unerwartete Wendung in der deutschen Filmwirtschaftsgeschichte ermöglichte in dieser Form nur der Mauerfall. So kümmert sich heute Gerhard Sieber, geschäftsführender Gesellschafter der ICESTORM Gruppe, um das kulturelle Erbe der Film- und Fernsehschaffenden der DDR. Diese berufliche Wendung in seinem Leben ist nicht absehbar gewesen... mehr
  • Seine erste Wohnung in Berlin findet Joab Nist 2004 durch einen von ihm verfassten Zettel, den er am Helmholtzplatz im Prenzlauer Berg aufhängt. Seitdem ist der 1983 in München geborene Blogger, Autor und Filmemacher Berlin und der Berliner Zettelwirtschaft treu geblieben. Auf seinen Streifzügen durch die Stadt fotografiert er Zettel, Aushänge und Gesuche im öffentlichen Raum. Diese Fundstücke sind für Nist Material und Motivation für viele Projekte. Sie verraten ihm, wie die Stadt kommuniziert, Nist nennt es „urbane, analoge Alltagskulturkommunikation“. mehr
  • Für Catherine von Fürstenberg-Dussmann, Vorsitzende des Stiftungsrates der Dussmann Group, ist der Mauerfall wie für Millionen Zuschauer ein Medienereignis, das sie in Bayern vor dem Fernseher verfolgt. Allerdings sieht sie ab und zu ein vertrautes Gesicht. Denn ihr Ehemann Peter Dussmann, der Gründer der Dussmann Group, ist als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer ins ZDF-Fernsehstudio eingeladen, wo Experten den sich überschlagenden Ereignissen der Zeitgeschichte hinterherjagen. mehr
  • Zwischen Sofia und Berlin liegen für die Künstlerin und Galeristin Klio Karadim nicht nur mehr als 1600 Kilometer, sondern auch ein Epochenbruch. Als 19-Jährige verfolgt sie im November 1989 in ihrem Heimatland Bulgarien die Fernsehbilder von der Berliner Maueröffnung. Dabei freut sie sich für die Menschen im „Bruderland DDR“, beneidet sie aber auch ein wenig um die neue Freiheit. Doch der Fall des Eisernen Vorhangs eröffnet ihr selbst bald auch eine ungeahnte Zukunft... mehr
  • Oliver Schulz ist Herr über eine Sommeridylle im Nordosten Berlins. Seit 2003 betreibt er als Pächter das Strandbad Weißensee. Für Schulz schließt sich damit ein Kreis: Er ist in Weißensee geboren, hat im dortigen See schwimmen gelernt und schaut nun im Sommer als Badbetreiber über die glitzernde Seeoberfläche. Begonnen hat es im heißen Sommer 2003, als Schulz sich auf einem Spaziergang um den See wundert, dass die Berliner Bäderbetriebe das Sommerbad Weißensee geschlossen haben. mehr
  • Als Filmcutterin kommt Sara Nachama 1978 nach West-Berlin und arbeitet zunächst als freie Mitarbeiterin für den SFB und das ZDF. In den darauffolgenden Jahren kümmert sich die Tochter eines Diplomaten, die in Israel und zahlreichen fernöstlichen Ländern aufgewachsen ist und an der Hebräischen Universität Jerusalem Geschichte studiert hat, um die eigene Familie und ihre zwei Söhne. Zudem engagiert sie sich in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ehrenamtlich für die jüdischen Kulturtage. mehr
  • „Ein Werk muss laufen, die Bänder stehen nicht still, Teile fragen nicht nach der politischen Lage“, erinnert sich Frank Ziegler, Meister im BMW Werk in Berlin-Spandau, an die erste Frühschicht nach dem Mauerfall. Im Laufe des Tages werden die spektakulären Ereignisse des Vorabends aber doch noch zum Gesprächsthema in den Montagehallen. Ziegler selbst ist am Abend des 9. November nach Rudow zum Grenzübergang gefahren. mehr
  • Dissidenz in der Zeitkapsel – so könnte man Gunar Barthels Galerieprogramm beschreiben. Denn seine Galerie BARTHEL+TETZNER, die er gemeinsam mit Tobias Tetzner in Berlin-Charlottenburg betreibt, hat sich auf nonkonforme Kunst aus der DDR spezialisiert. Ost und West stehen in Barthels Biografie in einem spannungsvollen Verhältnis: Als Galerist einer unabhängigen Galerie in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, wird er am 3. Oktober 1987 aus der DDR ausgebürgert. mehr
  • Das Ende der DDR als Kindheitsland und politisches System offenbart sich für Stefanie Grau zuerst als unbekannte bunte Warenwelt in der Kaufhalle und neuer Unterrichtsstoff in der Schule. Grau ist elf Jahre alt und wohnt in Neubrandenburg, als die Mauer fällt. 22 Jahre später macht sie sich als Bühnenbildnerin und Möbeldesignerin selbstständig. Grau, die diplomierte Innenarchitektin, die zusätzlich Bühnenbild studiert hat, kehrt 2010 nach längeren Arbeitsaufenthalten in Zürich und Wien nach Berlin zurück und beginnt freischaffend tätig zu sein. mehr
  • Jörg Simon ist seit 1999 Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe. Damit steht er an der Spitze eines Berliner Traditionsunternehmens mit über 150-jähriger Geschichte, das exemplarisch mit dem Schicksal Berlins als geteilter und wiedervereinigter Stadt verbunden ist. Seit Juli 1950 waren die Trinkwasserleitungen beider Stadthälften getrennt, und Ost- und West-Berlin bauten jeweils eigene Unternehmen zur Wasserversorgung auf. mehr
  • Mit einer friedlichen Revolution in der DDR und einem vereinten Deutschland hat Annette Kusche, aufgewachsen in der Bundesrepublik, nie gerechnet. „Ich habe gedacht, ich gehöre zu einer Generation, die politisch nichts mehr erlebt.“ Als in Berlin die Mauer fällt, arbeitet sie in Frankfurt am Main für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels und ahnt, dass sich alles grundlegend ändern wird. Sie wird kurz darauf Leiterin des Referats Neue Bundesländer. mehr
  • Mit Tetris, Summer Games und dem Apple II in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen, wird es Jens Begemann als Kind dann doch irgendwann zu langweilig. So programmiert er mit zehn Jahren sein erstes Computerspiel. Zwei Jahre später verfolgt er mit seinem Vater die spektakulären Bilder des Berliner Mauerfalls vor dem Fernseher: „Mein Vater sagte: ‚Davon wirst du noch deinen Enkeln erzählen‘“. Begemann, dessen Computerspielfavorit bis heute „Secret of the Monkey Island“ ist, lässt die Leidenschaft fürs Programmieren und die Welt der Spiele nie los. mehr
  • Der Mauerfall ist für den 1980 geborenen Raul Krauthausen eine Kindheitserinnerung an ein Fernsehbild in Schwarz-Weiß. Die Wucht des historischen Ereignisses dagegen ein Ansporn für sein Hauptanliegen: „1989 ist eine Mauer gefallen und eine Grenze wurde geöffnet, aber noch immer gibt es viele Mauern in den Köpfen, wie man mit Behinderten umgeht.“ Krauthausen ist Aktivist für Inklusion und Behindertenrechte. mehr
  • Während einer Peter-Kraus-Tournee auf der Schwäbischen Alb erfährt Georg Strecker vom Fall der Berliner Mauer und fühlt sich sehr weit entfernt von der Weltgeschichte. Doch seit 1998 ist der gebürtige Bad Homburger als Geschäftsführer des Wintergarten Varietés mitten im turbulenten Geschehen Berlins. „Der Mauerfall war Geburtshelfer für den Wintergarten. 1992 wurde er neu ins Leben gerufen und mit viel Aplomb und Weltstars der heutigen Artistikszene eröffnet.“ mehr
  • Für Dirk Zingler, den Präsidenten des 1. FC Union Berlin, führt der Mauerfall eine geteilte Familie zusammen und lässt eine Fußballfreundschaft zerbrechen. Denn ein Teil seiner Familie lebt in West-Berlin, während Zingler im Ostteil der Stadt aufwächst. Nach dem Fall der Mauer kann er zum ersten Mal die Brüder seiner Mutter in der Weddinger Ackerstraße besuchen. Für seinen Traditionsverein, den 1. FC Union Berlin mit den Vereinsfarben Rot und Weiß, 1966 in Ost-Berlin gegründet, ändert sich nach 1989 alles... mehr
  • Der Firmengründer als Fahrradkurier: So dynamisch kann man sich den Beginn der Unternehmerkarriere von Wolfgang M. Sacher vorstellen. Im West-Berlin der 1980er-Jahre teilen sich zwei Studenten des Studiengangs Wirtschafts- und Gesellschaftskommunikation an der Universität der Künste eine Wohnung, denken über die Optimierung von Dienstleistungen nach und gründen mit drei Fahrradkurieren einen eigenen Expressdienst. Anfänglich treten sie selbst auch noch in die Pedale, erledigen Aufträge für Verlage, Werbeagenturen und Grafikbüros. mehr
  • Geboren im Jahr des Mauerbaus in Ost-Berlin, scheint Heiko Weidlichs Leben vorgezeichnet zu sein – bis einen Tag nach seinem 28. Geburtstag die Mauer fällt. Ein größeres Geburtstagsgeschenk hätte ihm die Weltgeschichte nicht machen können. Für Weidlich, der gerade sein Studium der Informationstechnologie abgeschlossen hat und am Institut für Post- und Fernmeldewesen in Ost-Berlin arbeitet, das nach der Wende aufgelöst wird, kommen Mauerfall und Wiedervereinigung biografisch zum richtigen Zeitpunkt. mehr
  • Peter Strunk kennt alle Daten und Fakten zum Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof im Südosten Berlins. Der promovierte Historiker ist seit 1999 bei der Betreibergesellschaft des Hochtechnologiestandortes WISTA-MANAGEMENT GmbH für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Wissenschaft und Forschung haben in Adlershof eine lange Tradition. In der DDR sind hier ein naturwissenschaftliches Forschungszentrum der Akademie der Wissenschaften und der Deutsche Fernsehfunk angesiedelt. mehr
  • Vielsprachigkeit begleitet Brigitta Gabrin von Anfang an. Als Tochter eines ungarisch-deutschen Paars dreisprachig in Rumänien aufgewachsen, macht sie heute Radio für die 180 Nationen in der Hauptstadtregion: „Ich kann mir ein Leben ohne multikulturelles und vielsprachiges Radio in Berlin nicht vorstellen.“ Gabrin ist Geschäftsführerin und Chefredakteurin des gemeinnützigen Radios multicult.fm. Dass die studierte Psychologin einmal mit vielen Mitstreitern den bunten Radiosound der Hauptstadt mitprägen wird, ist vor 25 Jahren nicht absehbar... mehr
  • Angelockt vom subkulturellen Mikrokosmos kommt Dimitri Hegemann 1978 nach West-Berlin, das Sammelbecken für alternative Lebensentwürfe ist. Er ist in der Musikszene aktiv und organisiert in den 1980er-Jahren das Musikfestival „Berlin-Atonal“. Der 9. November 1989 ist für Hegemann eine Clubnacht wie viele andere auch, bis ihm in der Köpenicker Straße Passanten in stonewashed Jeans auffallen und ihn ein Unbekannter aus Ost-Berlin nach dem Weg fragt. mehr
  • Die Wende erlebt Tobias Weber wie einen Kulissenzauber: Aufgewachsen in Berlin-Wannsee nahe der Glienicker Brücke, einst Symbol der Teilung Deutschlands, wo 1986 der letzte Agentenaustausch zwischen Ost und West stattfindet, wird er nun Zeuge, wie tausende Ostdeutsche auf die Brücke strömen und auf den Autodächern tanzen. Sein Vater Hubert Weber, der Gründer und damalige Geschäftsführer von City Clean, erkennt die Zeichen der Zeit. mehr
  • Am Anfang ist Florida als Sehnsuchtsort im Kopf eines Berliner Eiscafébesitzers: „Ich wollte aus einem kleinen Eiscafé ein großes machen und Florida war der Aufhänger“, erinnert sich Olaf Höhn, Geschäftsführer und Inhaber von Florida-Eis. Der gelernte Maschinenbauingenieur hat in den 1980er-Jahren in Berlin-Spandau eine Eisdiele, die auf eigene Speiseeisherstellung setzt. Dass Florida-Eis einmal zur einer Kultmarke aufsteigen wird, ist damals noch nicht abzusehen. mehr
  • Die Aufbruchsstimmung, die von der großen Demonstration auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989 ausgeht, ist Jens Hilpert immer noch gegenwärtig: „“Ich habe gespürt, dass es kein Zurück mehr gibt in den Veränderungen“, erinnert er sich. Am Tag des Mauerfalls hält sich Hilpert, damals an der Humboldt-Universität tätig, auf einer Dienstreise in Polen auf und lässt sich von dortigen Kollegen die Nachrichten übersetzen. mehr
  • Petra Hoyer hat sich in der mitunter rauen Männerwelt des Baustoffhandels durchgesetzt. Ihr Unternehmen ist das größte in der Branche in Ostdeutschland, das von einer Frau geführt wird. Die Anfänge des HObA-Baustoffhandels liegen an den S-Bahn-Gleisen entlang der Greifswalder Straße in Berlin. Hier gründet Hoyer, Mitte 20 und alleinerziehende Mutter, 1990 einen eigenen Baustoffhandel. „Nach dem Mauerfall stand auf einmal alles auf dem Kopf, es galt, alles neu zu sortieren. Ich musste mich schnell entscheiden, trete ich eine sichere Stelle bei einer Bank an oder mache ich mich selbstständig.“ mehr
  • „Wahnsinn“ ist für Gabriele Streichhahn das Wort des Mauerfalls. Am Abend des 9. November 1989 spielt die Ost-Berliner Schauspielerin in der Komödie „Der nackte Wahnsinn“ mit. In der Pause erfährt sie vom Maskenbildner, dass die Mauer offen ist und eilt nach der Vorführung vom mittlerweile abgerissenen Palast der Republik zum nahegelegenen Brandenburger Tor, wo die Menschen vor Freude tanzen. Sie erinnert sich aber auch an die Unsicherheit in den ersten Wochen nach dem Fall der Mauer. „Es herrschte Große Freude, aber auch Angst. Angst dass die Veränderungen nur von kurzer Dauer sein würden.“ mehr
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