Annette Kusche

 

Mit einer friedlichen Revolution in der DDR und einem vereinten Deutschland hat Annette Kusche, aufgewachsen in der Bundesrepublik, nie gerechnet. „Ich habe gedacht, ich gehöre zu einer Generation, die politisch nichts mehr erlebt.“ Als in Berlin die Mauer fällt, arbeitet sie in Frankfurt am Main für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels und ahnt, dass sich alles grundlegend ändern wird. Sie wird kurz darauf Leiterin des Referats Neue Bundesländer. Den 3. Oktober 1990 feiert sie mit Verlegern aus Ost und West auf der Frankfurter Buchmesse und ist Ende des Jahres bereits Leiterin des Leipziger Büros des Börsenvereins.

Heute ist Annette Kusche zuständig für die interne und externe Kommunikation des Aufbau Hauses in Berlin: eines für Mieter aus der Kreativbranche und Kulturschaffende gebauten Hauses, dessen Gründungsgeschichte einem glücklichen Zusammenspiel zu verdanken ist. Zum einen plante die Familie Koch eine nachhaltige Investition im Kreativbereich in Berlin. Zum anderen suchten die Geschäftsführer der Firma Modulor GmbH neue Räume, weil der Künstlerbedarfshandel an seinem alten Standort in der Kreuzberger Gneisenaustraße aus allen Nähten platzte. Sie entdeckten das leer stehende Bechsteinhaus am Moritzplatz, das genügend Potenzial zur Realisierung aller Vorstellungen bot.

2008 wird ein erstes gemeinsames Konzept für ein Kreativhaus vorgestellt, das auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg befürwortet. 2011 wird das Aufbau Haus eröffnet und belebt seitdem den zuvor tristen Moritzplatz. Zu den Mietern zählt auch der renommierte Aufbau Verlag, nach dem das Haus benannt ist. Zwischen Dach und Untergeschoss haben insgesamt sieben Verlage, die design akademie berlin und mit Modulor viele weitere Kreativfirmen ihr Quartier aufgeschlagen. Zu finden sind dort auch eine Buchhandlung, ein Kindergarten, ein Theater, ein Club, ein Restaurant mit Deli und Bar, Galerien sowie ein Tanzsstudio. „In dem Haus sollen Kreative alles finden, was sie brauchen – von Material über Workshops, bis hin zu Begegnungs-, Proben-, Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen. Es folgt der Brechtschen Idee, Kultur soll das ganze Leben widerspiegeln und bietet die typische ‚Kreuzberger Mischungʻ aus Arbeiten, Leben und Feiern.“ Dazu gehört auch der einzige private Mieter im Haus: Der über 80-jährige Herr Behne wohnt dort bereits seit 1994. Gelegentlich wird seine Zweiraumwohnung für eine Kunstinstallation gehalten.