Berliner Industrie 4.0: Zusammenspiel zwischen Klassisch und Digital

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Berliner nimmt im Bereich Industrie 4.0 eine Vorreiterrolle ein. Kein Wunder: Eine starke, moderne Industrie und innovative Digitalunternehmen arbeiten hier gemeinsam an zukunftsweisenden Produkten und  Lösungen. 

Berlin gilt als ein Vorreiter der vierten industriellen Revolution. (Foto: Shutterstock@Zapp2Photo) 
Es knistert in Berlin. Kreativ, experimentell, interdisziplinär – und im engen Austausch zwischen Experten der unterschiedlichsten Disziplinen. Besonders sichtbar wird diese Dynamik in den zahlreichen Inkubatoren, Innovationszentren und Acceleratoren der Stadt. Hier wachsen Ideen, hier trifft moderne Hightech-Industrie auf eine junge, starke Digitalszene.

Einer dieser Inkubatoren ist „sizzle“. Bei den „Schleicher Incubator Zoom Zone Labs“ des Schöneberger Unternehmens Schleicher Electronics steckt das Knistern bereits im Namen, aber auch im Potenzial der hier ansässigen Start-ups, wie etwa PTX tech. Das Gründerunternehmen hat ein neuartiges „Vision-System“ entwickelt, das Fertigungsprozesse berührungslos überwachen und abschirmen kann. Interessant ist das für die modernen Fertigungsprozesse der „smarten Fabrik“. Denn im Zeitalter der Industrie 4.0 arbeiten Maschinen eng vernetzt in integrierten Abläufen zusammen. Und das sensible System 4D MMS von PTXtech schützt Geräte wie Menschen ganz ohne Lichtschranke oder Verglasung. Das innovative Produkt des jungen Unternehmens ist nicht nur für Schleicher Electronics spannend. Auch der Berliner Sondermaschinenbauer Jonas & Redmann präsentierte 4D MMS unlängst im Zusammenspiel mit eigenen Produkten.

Berliner Großunternehmen wie Osram setzen ebenfalls auf direkte Kooperation mit Start-ups, um den digitalen Wandel mitzubestimmen. Der weltweit zweitgrößte Leuchtenhersteller, der die Produktion in seinem Spandauer Werk gerade im Rahmen eines konzernweiten Pilotprojektes technisch auf Industrie 4.0 umstellt, entwickelt aktuell zusammen mit dem Berliner Start-up BärDrones mit Leuchten bestückte Industriedrohnen, die im Innen- und Außenbereich eingesetzt werden können. Ein Nischenprodukt, individualisierbar und in kleiner Stückzahl produziert. Aber gerade das ist zeitgemäß – und eine häufige Anforderung an die Produktion im Kontext von Industrie 4.0. Die Zusammenarbeit zwischen Osram und BärDrones bietet beiden Seiten Vorteile: Das Gründerunternehmen lernt vom etablierten Unternehmen. Und dieses wiederum profitiert von den Ideen und Flexibilität des Start-ups.

Berlin gilt inzwischen als ein Vorreiter der vierten industriellen Revolution – auch wenn es für die Öffentlichkeit nicht so sichtbar ist. Es bietet dafür mittlerweile auch die besten Voraussetzungen, denn nach der Abwanderungswelle in den Wendejahren hat sich in der Hauptstadt eine moderne, international wettbewerbsfähige Industrie angesiedelt – und das über alle Branchen hinweg. Mehr als 7.000 Unternehmen mit über 100.000 Beschäftigten sind heute in Berlin tätig. Neben Global Playern wie BMW, Bombardier, Siemens, Daimler, Coca-Cola oder Bayer prägen vor allem stark aufgestellte kleine und mittelständische Unternehmen den Industriestandort.

Beflügelt wird diese dynamische Entwicklung durch synergetische Vernetzungen der klassischen Industrie mit der lebhaften Hightech-Gründerszene der Stadt. Denn die Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der führenden Städte Europas in der Digitalwirtschaft entwickelt. Jeder achte Arbeitsplatz in Berlin ist seit 2008 in diesem Wirtschaftszweig entstanden. Und jedes Jahr werden hier rund 500 digital geprägte Unternehmen gegründet, die in zukunftsorientieren Feldern wie IT-Sicherheit und Identitätsmanagement, optische Kommunikation, Robotik oder Automation auch der etablierten Industrie als Entwicklungspartner für Konzepte und Lösungen im Bereich Industrie 4.0 zur Verfügung stehen. Zu diesen technologischen Vorreitern gehören etwa das in Berlin-Adlershof ansässigen Unternehmen HARTING IT Software Development, dem auf der diesjährigen Hannover Messe für seine technologischen Innovationen den renommierten Hermes Award verliehen wurde, sowie Coriant, das inzwischen zu einem der weltweit größten Anbieter von Datenübertragungssystemen gewachsen ist und auch die Bundesdruckerei, die heute ein „Hightech-Unternehmen für Identitätsmanagement“ ist.

Typisch Berlin und eine Triebfeder im Bereich Industrie 4.0 ist die sehr offene Unternehmenskultur, die zwischen etablierten Industrieplayern und jungen Digitalunternehmen, aber auch in enger Vernetzung mit den vielen hochkarätigen Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen der Stadt entstanden ist. Ein entscheidender Standortvorteil, denn Industrie 4.0-Prozesse sind komplex. Und „Open Innovation“, die Bereitschaft, Erfahrungen und Wissen mit anderen zu teilen, ist heute eine wesentliche Bedingung, um wegweisende Lösungen für die Zukunft zu schaffen. Pilotcharakter hat hier das Leistungszentrum Digitale Vernetzung der vier Berliner Fraunhofer-Institute. Das Zentrum lädt Industrieunternehmen ein, sich an gemeinsamen Projekten zu beteiligen, um Forschungsergebnisse schnell in innovative Produkte zu überführen. Es soll Anfang 2017 an den Start gehen.

Auch hier knistert es also. Kreativ, experimentell, interdisziplinär – und zukunftsorientiert. Mit der engen Verzahnung von Industrie, Digitalwirtschaft und Forschung bietet Berlin die besten Voraussetzungen für Industrie 4.0. Eine enorme Chance ... /vdo

Veröffentlichung des Artikels mit freundllcher Genehmigung von Berlin to go.