Förderung durch Fläche und Know-how

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Die Marke Osram steht für Licht – und seit 100 Jahren für innovative Leuchtmittel. Das Berliner Werk in Spandau fokussiert sich in Entwicklung und Produktion auf Speziallampen. Kooperationen mit Start-ups sind für Osram Berlin ein Weg, um Ideen auf schlankem Wege voranzubringen. Mehr darüber erzählt Thomas Waldmann, Head of SP Services Berlin und Open Innovation Manager bei Osram-Berlin.


Herr Waldmann, Osram feiert in diesem Jahr 100-jähriges Jubiläum. 1906 wurde die Marke beim Kaiserlichen Patentamt Berlin angemeldet. Was wird heute im Osram-Werk in Berlin-Spandau produziert?

Wir haben uns vom Hersteller für Glühlampen zum Kompetenzzentrum für Hochdruck-Entladungslampen entwickelt. Das ist natürlich nichts für den Baumarkt um die Ecke, sondern eher etwas für den Spezialbedarf. Darüber hinaus produzieren wir im Werk Berlin Speziallampen. Beispielsweise für den Einsatz in der Medizintechnik, in der Kinoprojektion, für Filmaufnahmen oder auch in Videoprojektionslampen. Unser Spitzenprodukt in Berlin sind die Xenon-Autoscheinwerfer.

Aktuell ist eines Ihrer Teams für das Projekt „Laserlicht im Auto“ für den Deutschen Zukunftspreis 2016 nominiert. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit BMW. Arbeitet Osram Berlin auch auf anderen Projekten mit externen Partnern zusammen?
Wir arbeiten am Standort u.a. mit verschiedenen Start-ups zusammen. Jüngstes Beispiel ist die Kooperation mit dem Berliner Drohnenhersteller Bärdrones. Gemeinsam mit dem jungen Unternehmen entwickeln wir Industriedrohnen. Das heißt, wir versuchen, Licht auf die Drohne zu bringen, um damit z.B. auch in dunklen Ecken von Gebäuden Aufnahmen machen zu können. Derzeit arbeiten wir an einem Protoytpen mit einer einfachen Steuerung. Man kann zwar relativ leicht 60.000 Lumen auf so einen Flugkörper bringen, aber die Drohne muss im Gebrauch auch gut zu steuern und zu landen sein. Beim Einsatz an einer Unfallstelle etwa sollten vom Eingang der Unfallmeldung bis zum Start der Drohne nicht mehr als drei bis fünf Minuten vergehen.

Welches sind die Vorteile eines solchen Matches?
Die Zusammenarbeit mit Start-ups wie Bärdrones ermöglicht es uns, im Bereich Prototyping schneller voranzukommen und Dinge umzusetzen. Die Strukturen sind in einem jungen Unternehmen einfach schlanker und flexibler als bei einem Weltkonzern wie Osram. Das Produkt ist dann im Ergebnis vielleicht noch nicht hundertprozentig, aber zumindest ist so bereits ein Start gemacht, auf dem wir aufbauen können. Das Start-up wiederum profitiert in der Partnerschaft von der Schlagkraft der Marke Osram im Markt.

Warum betreibt Osram in Berlin keine Acceleratoren?
Die gibt es bereits. Erst im Juni hat Osram in München mit Fluxunit einen Business-Inkubator gegründet, um neue Geschäftsfelder, insbesondere im Bereich digitale und vernetzte Lichtlösungen zu eröffnen. Am Standort Berlin verfolgen wir eher den Ansatz, Start-up-Partner, die bereits einen Prototypen haben, im Bereich der Produktion zu unterstützen. Hier geht es um Upscaling-Prozesse, also um die Überführung der Protoytpen in die industrielle Produktion. Aktuell sind wir beispielsweise mit Inuru im Gespräch. Das Berliner Start-up mit Sitz in Adlershof druckt ultradünne Displays, auch Bewegtbild, auf Papier. Das kann man dann zum Beispiel für Verpackungen oder in der Printwerbung nutzen. In der Zusammenarbeit mit Inuru ginge es darum, Modularitätspläne für die Musterfertigung zu entwickeln. Das ist sowohl für Inuru als auch für unsere Produktion interessant, denn die Fertigung erfolgt heute häufig modular in sogenannten „Batches“.

Da sind wir bereits mitten im Thema Industrie 4.0. Im Werk in Berlin läuft derzeit ein konzernweites Pilotprojekt in der Fertigung der Xenon-Lampen dazu, richtig?
Das Thema Industrie 4.0 wird bei uns bereits seit Jahren in der Einzelproduktion verfolgt. Aktuell beschäftigen wir uns am Standort Berlin damit, die Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen in der Produktion zu optimieren. Hier geht es unter anderem darum, Daten in der Cloud zu vernetzen und sie zum richtigen Adressanten zu bringen.

Arbeiten Sie in der Entwicklung auch mit Berliner Hochschulen zusammen?
Ja. Wir sind beispielsweise eines der Gründungsmitglieder des Innovationsnetzwerks für neue Materialen (INAM) in Adlershof. Zu den Partnern des im Mai gestarteten Netzwerks gehört auch die Humboldt-Universität zu Berlin. Bei INAM geht es darum, innovative Produkte zur Marktreife zu bringen. Wir stellen den jungen Forscherteams und Unternehmen in Rahmen von INAM Werkstattfläche in unserem Berliner Werk zur Verfügung.

Warum sitzt OSRAM – nach der harten Krise im Jahr 2008 – nach wie vor in Berlin?
Mal abgesehen davon, dass Osram in Berlin gegründet wurde, beschäftigen wir mehr als 1.100 hochqualifizierte Mitarbeiter am Standort, die natürlich in der Stadt verwurzelt sind. Ein starkes Argument für Berlin ist außerdem die Nähe zur Start-up-Szene. Wir sitzen hier sozusagen am Nabel der deutschen Gründerszene. Das ist für unsere Innovationsbereiche entscheidend.

Ist Recruitment für Sie ebenfalls ein Thema?
Eher weniger. Es geht uns nicht darum, Start-ups zu übernehmen, sondern junge Unternehmen und deren innovative Ideen voranzubringen. Wir suchen explizit nach Start-ups, die produzieren wollen, denn bei uns im Werk liegt viel Produktionsfläche brach, die von Gründern genutzt werden kann. Das ist eher ungewöhnlich, denn die meisten Inkubatoren bieten lediglich Büroflächen an.

Welches ist Ihre Zielsetzung bei der Förderung von Start-ups?
Uns geht es darum, möglichst viele Start-ups hier bei uns auf dem Werksgelände anzusiedeln. Wie bereits erwähnt, sind die daraus entstehenden Synergien durchaus gegenseitig: Wir fördern die Gründer durch die Bereitstellung von Fläche und Know-how. Zugleich qualifizieren wir unsere Mitarbeiter im Prozess weiter und motivieren sie. Die Start-up-Projekte werden bei uns intern gut angenommen. Kürzlich trat beispielsweise ein Mitarbeiter an uns heran, weil er außerhalb seiner regulären Arbeitszeit freiwillig an dem Bärdrones-Projekt mitwirken wollte. So etwas ist für mich eine schöne Bestätigung dafür, dass wir mit unserem Matchmaking-Ansatz mit Start-ups in Berlin auf dem richtigen Weg sind.

Interview: Ernestine von der Osten-Sacken

Mehr über das Match von Osram mit Bärdrones.

Thomas Waldmann, Open Innovation Manager bei Osram-Berlin. (Foto: OSRAM)