„Made in Berlin“ erobert die Welt

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Berliner Produkte sind international gefragt. Das war schon früher so. Heute spricht man gar vom Export-Rekord. Begründet liegt der Erfolg der Produkte „made in Berlin“ in der einzigartigen Mischung aus technischem Know-how, Kreativität und Vision.  

Start-up 1938: Der Z1 im Wohnzimmer von Konrad Zuses Eltern. (Foto: STDB/©Horst Zuse) 

Ein 28-Jähriger tüftelt in Berlin-Kreuzberg an einem Produkt, das die Welt bewegen wird. Vor kurzem erst hat er sein Ingenieursstudium abgeschlossen und in seinem ersten festen Job hat es ihn nicht lange gehalten. Er will etwas bewegen. Und das gelingt ihm auch.

Berlin-typischer kann eine Gründergeschichte nicht sein. Doch der junge Mann arbeitet nicht in der einem der vielen Start-up-Hubs oder Coworking-Spaces der Stadt. Wir schreiben auch nicht das Jahr 2016, sondern es ist 1938. Der junge Mann heißt Konrad Zuse. Und sein Produkt ist der Z1, der weltweit erste elektrisch angetriebene mechanische Rechner. Aus diesem „Prototyp“ geht in der Weiterentwicklung 1941 der Z3 hervor: der erste funktionstüchtige Computer der Welt – und bis heute eine bahnbrechende Erfindung. Historische Beispiele für Produktinnovationen aus Berlin, die die Welt eroberten, kennt heute fast jedes Kind: DAIMON Taschenlampen zum Beispiel, die Litfaß-Säule, Collonil-Schuhcreme oder den Eierschneider (S. XYZ). Auch 2016 sind Produktinnovationen „made in Berlin“ international gefragt. Die biologischen Herzklappen von Auto Tissue Berlin werden europaweit in vielen Kliniken eingesetzt. Und das Theaterblut von Kryolan ist selbst in Hollywood berühmt.

Immer mehr Berliner Produkte gehen hinaus in die Welt. Das belegt auch die Statistik: Nach einer aktuellen Studie der Investitionsbank Berlin stieg die Zahl der Berliner Exporte über das gesamte Jahr 2015 hinweg um 6,1 Prozent – im Vergleich zu nur 2,9 Prozent im Jahr 2014. Insgesamt machten Berliner Unternehmen 2015 einen Exportumsatz von 14,1 Milliarden Euro. Ein Rekordwert, der zugleich die heutige Stärke und Konkurrenzfähigkeit des Standorts belegt. Denn noch vor fünf Jahren hinkte die Berliner Industrie bezüglich der Exportquote bundesweit hinterher, heute liegt sie mit einer Auslandsquote von 55,7 Prozent über dem Bundesdurchschnitt und im Ranking der Bundesländer im Spitzenfeld.

Zu den exportstarken Branchen der Hauptstadt zählen insbesondere die Pharmaindustrie, die Elektrotechnik und der Maschinenbau. Die Gasturbinen von Siemens beispielsweise sind ein Berliner Exportschlager. Ebenso wie die rund 130.000 Motorräder, die jährlich im BMW Werk Berlin vom Band rollen – und weltweit durch mehr als 130 Länder.

Doch was macht Berliner Produkte so einzigartig? Da ist zum einem die hohe Innovationskraft, die sich aus dem typischen Berliner Mix aus Zukunftstechnologien und sich modernisierenden Traditionsbranchen ergibt, aus dem lebendigen Gründergeist der führenden Start-up-Metropole Europas sowie aus dem engen Zusammenspiel zwischen Spitzenforschung und Wirtschaft in der Region. Und dann ist da noch die einmalige kreative Mischung Berlins. Die Hauptstadt als Anziehungspunkt für kreative Köpfe und junge Talente aus der ganzen Welt ist zugleich fruchtbarer Boden für frische Ideen. Und auch für ein neues unternehmerisches Selbstverständnis. Als „superrealistische Kunstinstallation“ bezeichnet etwa Ralph Anderl, Geschäftsführer und Mitbegründer der Berliner Designerbrillenmanufaktur ic! berlin sein Unternehmen. Das klingt abgedreht, doch der Erfolg gibt seinem Konzept recht. Jeder achte Brillenträger in Taiwan besitzt inzwischen eine der federleichten Brillen aus Berlin-Prenzlauer Berg mit dem einzigartigen Federscharnier-Stecksystem. Das Produkt steht nicht nur für ausgefeilte Technik, sondern auch für die konsequente Orientierung an der neuen Idee.

„Visionär in Material und Formgebung“ sind auch die Brillengestelle von MYKITA. Das Kreuzberger Unternehmen, das inzwischen weltweit 13 Stores hat und 20 Prozent seines Umsatzes in den USA macht, setzt in der Entwicklung konsequent auf interdisziplinäre Kooperationen mit Experten aus den Bereichen Fashion, Automotive und Rapid Prototyping. Und die lassen sich in der Spreemetropole leicht finden und aufbauen, denn Berlin heute ist erfinderisch, dynamisch und international. Nicht nur für MYKITA, sondern auch für Europas größten Online-Optiker Mister Spex ein klarer Grund, sich für den Standort zu entscheiden.

Doch es sind nicht nur „harte Produkte“, die aus der Hauptstadt ihren Weg hinaus in die Welt finden. Ein Beispiel für Kreativität als Exportprodukt sind die Showprogramme „made in Berlin“, die mit den Kreuzfahrtschiffen von TUI Cruises auf Reisen gehen. Die beiden Leiter der Arts & Entertainment-Abteilung der Kreuzfahrtgesellschaft gründeten bereits 2008 eine „Culturtainment“-Agentur in Berlin. Dem kunstliebenden Konrad Zuse hätte das sicher gefallen.

Text: Ernestine von der Osten-Sacken – mit freundlicher Genehmigung von Berlin to Go.